Unsere langjährige Nachbarin Jutta Werdes ist von uns gegangen. Die Urnenbestattung findet statt am Freitag, den 30. April 2026 um 10 Uhr auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof in der Großgörschenstraße. Als Quartiersrätin hat Jutta Werdes eine wichtige Rolle im Schöneberger Norden gespielt. Wir dokumentieren im folgenden Nachrufe aus dem aus dem Kreis des Quartiersrates, der AG Wärmewende und der Mieterinneninitiative Bülow Ost sowie einen Nachruf von Sebastian Walter, Abgeordneter für Bündnis90/die Grünen.

An Dir konnte man sich reiben, mit Dir konnte man viel bewegen.
RIP Jutta
Andreas Beckmann, noch einmal als Sprecher des Quartiersrats, der ich viele Jahre neben Dir war.

Jutta ist tatsächlich einer der Menschen, die mich in vieler Hinsicht inspiriert haben.
Sie war sehr freundlich und immer rücksichtsvoll. Wenn etwas an einem Samstag stattfand hat sie immer darauf geachtet, dass es etwas Koscheres zu essen gab, das ich essen konnte, und sie war immer sehr verständnisvoll in Bezug auf Schabbat. Ich musste nie etwas sagen. Sie hat es einfach verstanden. Sie war ein starker Charakter, vielleicht nicht immer einfach, aber auch das ist manchmal völlig in Ordnung. Sie war auf jeden Fall eine Inspiration und ein sehr freundlicher und zugewandter Mensch.
Oliver Bradley, Quartiersrat

Du warst Sauerländerin wie ich,
und die sind ja für ihre Unbeirrbarkeit und Hartnäckigkeit bekannt, manche nennen es auch Sturheit. Ich habe diese Eigenschaften bei unserem gemeinsamen Engagement im Kiez sehr geschätzt. Beginnend mit dem Kiezpalaver und langjährig im zuletzt autonomen Quartiersrat hätten wir ohne Dich vieles nicht erreichen können. Politisch weitsichtig hast du z.B. frühzeitig die Wärmewende im Kiez auf die Agenda gesetzt und dabei nicht nachgelassen zu vernetzen und zu informieren. Dich in Deinem letzten Jahr als Freundin zu begleiten war mir eine Herzensangelegenheit. Ich bin sehr traurig.
Cordula Mühr, Quartiersrätin

Menschlich wie politisch ist es für Schöneberg ein Verlust,
dass Jutta nicht mehr da ist. Als aktives Mitglied des Quartiersrats habe ich sie als eine Person erlebt, die mit großer Empathie, Hartnäckigkeit und einem feinen Gespür für die Menschen um sie herum den Stadtteil mitgestaltet hat. Jutta hat nicht nur selbst angepackt, sie hat auch immer wieder andere motiviert, sich für Gerechtigkeit vor der eigenen Haustür einzusetzen. Ihre zuversichtliche und zugewandte Perspektive wird hier im Kiez fehlen.
Sebastian Walter, Parlamentarischer Geschäftsführer Bündnis 90/Die Grünen

. . . ja, das war eine der verschiedenen gemeinsamen Aktionen,
Initiativen, Veranstaltungen, die wir immer mal wieder angeleiert haben. Diese hier am 10. November 2022 war der Start für die AG Wärmewende. Im Rahmen der vielgestaltigen Arbeit des Quartiersrats haben wir uns darum bemüht, gleich die wichtigsten Akteure im Stadtteil / Bezirk einzubinden: den Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann, den Geschäftsführer der Gewobag ED Karsten Mitzinger, den Geschäftsführer des Berliner Mietervereins Sebastian Bartels, den Umweltbeauftragten von Charlottenburg Jörg Zander und den Leiter Vertrieb Immobilienwirtschaft und Quartiere der Gasag Matthias Prennig.
Wie so oft ist es Jutta gelungen, durch solide Recherche und Argumente die zunächst skeptischen Beteiligten zu überzeugen.
Eigentlich kannten wir uns noch nicht so lang und zwischen unserem oft fast protestantisch-pflicht-bewussten Aktivismus haben wir uns viel zu wenig Gelegenheiten reserviert, Privates zu vertiefen. Es gab gleichwohl eine Selbstverständlichkeit und Übereinstimmung mit der wir schnell großes Vertrauen zueinander fanden. Ich denke, es waren auch für viele andere prägende Erfahrungen mit Jutta, dass sie so verlässlich, hilfsbereit und solidarisch war. Und überaus gastfreundlich!
Als besonders beeindruckend ist mir ihre universelle kulturelle Zugewandtheit in Erinnerung, begünstigt sicherlich durch ihre internationalen Arbeitsbeziehungen, bei ihr freilich eine natürliche Herzensbildung. Der Abschied ist schwer – Mascha Kaléko hat es in ihrem Memento wunderbar in Worte gefasst:
Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;
– Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muß man leben.
Conny E. Voester, Quartiersrätin

Schon kurz nach ihrem Umzug nach Berlin kam Jutta in den Quartiersrat Schöneberger Norden.
Innerhalb kurzer Zeit hat sie sie dort eine tragende Rolle eingenommen. Jahrelang war Jutta gemeinsam mit Andreas Beckmann Sprecherin des Quartiersrates. Bis zuletzt nahm sie immer Anteil am Geschehen. Viel zu selten wird sie erwähnt auf der Webseite des Schöneberger Nordens, ich habe nur einen Text gefunden. 2016, in Bericht über eine Wahl zum Quartiersrat wird Jutta erwähnt:
„. . . Frau Werdes motivierte stellvertretend für den gesamten QR die Anwesenden, sich weiterhin engagiert für ihren Kiez einzusetzen. Aus ihrer Sicht habe der QR viel Positives bewegt und könne dies auch in Zukunft tun . . .“ https://archiv.schoeneberger-norden.de/10-Jahre-Quartiersrat.4627.0.html
Genau das tat Jutta. Sie war eine große Motivatorin und zusammen haben wir einiges bewegt. Wie hat sie das gemacht? Sie war unvoreingenommen und sie war offen für jeden einzelnen. Behutsam machte sie ihre Vorschläge, leitete unsere Diskussionen in die richtigen Bahnen, ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen. Wenn etwas nicht klappte, war das nie ein Grund für sie aufzugeben. So wie sie innerhalb der Quartiersrates eine Vertrauensperson wurde, so wurde sie auch nach außen eine anerkannte Gesprächspartnerin – auch für Politik und Verwaltung. Die Verbindlichkeit, die sie nach innen und außen herstellte, hat geholfen, dass es den Quartiersrat heute noch gibt. Dass der Quartiersrat heute noch wirksam ist im Stadtteil, obwohl die Förderung durch das Programm Soziale Stadt im Jahr 2020 ausgelaufen ist, haben wir maßgeblich Jutta zu verdanken. Immer weiter machen, das könnte ihr Motto gewesen sein. In den letzten Jahren war das die Gruppe „Wärmewende“ des Quartiersrates, die sie mit initiiert und aufgebaut hat. Die Wärmewende, der Schutz des Klimas, ist ein globales Thema. Jutta wusste, dass das lokal sozial gerecht gelöst werden muss, damit es auch global funktionieren kann.
Was hat Jutta motiviert? Ich denke, es ist ihr Gefühl für Gerechtigkeit gewesen – egal ob in Kambodscha, auf den Philippinen oder im Schöneberger Norden. Sicher wünscht sie sich, dass wir in diesem Sinne weitermachen.
Matthias Bauer, Quartiersrat

Ohne Dich . . .
. . . fehlt so viel in unserer Nachbarschaft. In der Mieter:inneninitiative Bülow-Ost werden Deine vielen Talente fehlen, Menschen zusammenzubringen und ihre Sorgen hörbar zu machen. Die AG Wärmewende würde es ohne Deine unbeirrbare Initiativkraft und Deinen Instinkt nicht geben. Wir werden uns in Deinem Geiste weiter stark machen. Danke, dass wir diese Wege mit Dir gemeinsam gehen durften.
Dein Christian
Jutta
Ich habe mich nach einer Veranstaltung der AG Wärmewende entschieden, mitzumachen und bin dabeigeblieben. Auch wegen Juttas Eigenschaft, Engagement einzufordern, aber auch Raum zu geben, sich nach den persönlichen Möglichkeiten einzubringen.
Sie ist immer am Ball geblieben, hatte Termine und Förderanträge im Blick.
Bis zuletzt war ihr die Arbeit der AG wichtig und sie hat sich erkundigt, wie es in der AG läuft.
Wir machen weiter und werden immer mal wieder, an Jutta denken.
Jörg Schwensen
Eine Gemeinschaft . . .
– ob es der Kiez ist, die Stadt, das Land oder die Welt – kann nur gedeihen, wenn es Menschen wie Jutta gibt, voller Tatendrang und Verantwortungsbewusstsein für das Kleine und Große, mit der Fähigkeit zu kooperieren und dem Blick für die Zukunft.
Auch wenn ich Jutta kaum gekannt habe, nur aus der Zusammenarbeit in der Mieterinitiative, dass sie uns enorm fehlen wird, das weiß ich und ich bin dankbar und traurig zugleich.
Mechthild Ratering


