Der Quartiersrat Schöneberger Norden hat für die beiden Preise, die der Bezirk vergibt, zwei Vorschläge eingereicht.
Sigrid Gareis haben wir für den Integrationspreis des Bezirks Tempelhof-Schöneberg vorgeschlagen. Seit eineinhalb Jahren engagiert sich Frau Gareis ehrenamtlich im Frauen*treff OLGA der Drogennotdienst gGmbH an der Kurfürstenstraße – einem der wichtigsten Schutz- und Unterstützungsorte für konsumierende Frauen, Sexarbeiterinnen und wohnungslose Frauen im Bezirk. Gerade ist die weitere Arbeit von OLGA gefährdet, da der Mietvertrag nicht verlängert wurde und keine neuen Räume in Aussicht stehen.
Für den Preis „Queere Vielfalt“ haben wir den Verein „Transsexworks“ vorgeschlagen. Transsexworks ist ein Berliner Peer-to-Peer-Netzwerk sowie eine Beratungsstelle von und für trans, inter und nicht-binäre Sexarbeiter*innen. Die 2015 gegründete Initiative bietet einen sicheren Raum für Austausch auf Augenhöhe und leistet transspezifische Aufklärungs- und Beratungsarbeit. Wie OLGA leistet „Transsexworks“ eine wichtige Arbeit im Kiez zwischen Kurfürsten-, Bülow-, Froben- und Winterfeldtstraße. Wie OLGA sucht auch Transsexworks dringend ein Raum vor Ort.
Die Verleihung des Integrationspreises findet statt am 9. Juni 2026 um 18 Uhr im Rathaus Schöneberg. Um Anmeldung zur Veranstaltung wird gebeten unter Telefon: 90277-6263
oder E-Mail: integrationsbeauftragte@ba-ts.berlin.de/
Die Verleihung des Preises „Queere Vielfalt“ wird am 3.07.2026 stattfinden.
Nominierung durch den Quartiersrat Schöneberg-Nord für den Integrationspreis Tempelhof-Schöneberg
Der Quartiersrat Schöneberg Nord schlägt Frau Sigrid Gareis für den Integrationspreis des Bezirks Tempelhof-Schöneberg vor. Seit eineinhalb Jahren engagiert sich Frau Gareis ehrenamtlich im Frauentreff Olga der Drogennotdienst gGmbH an der Kurfürstenstraße – einem der wichtigsten Schutz- und Unterstützungsorte für konsumierende Frauen, Sexarbeiterinnen und wohnungslose Frauen im Bezirk. Der Frauentreff Olga ist weit mehr als eine Beratungsstelle. Für viele Frauen ist er ein existenzieller Schutzraum in einem Alltag, der von Armut, Gewalt, Ausgrenzung, Wohnungslosigkeit, Suchterkrankungen und häufig auch Migrationserfahrungen geprägt ist. Das Olga bietet täglich warme Mahlzeiten, Aufenthalts- und Ruhemöglichkeiten, Duschmöglichkeiten, medizinische Grundversorgung, Beratung sowie Unterstützung bei Behördenangelegenheiten.
Besonders wichtig ist der geschützte Innenraum für Frauen, die auf dem Straßenstrich arbeiten und überwiegend nachts tätig sind: Viele reguläre Notunterkünfte sind aufgrund ihrer Öffnungszeiten oder fehlender Schutzräume für diese Frauen nicht nutzbar. Das Olga schafft daher einen seltenen sicheren Ort zum Ausruhen, Essen, Aufwärmen und Schlafen.
Frau Gareis unterstützt diese wichtige Arbeit mit großem persönlichem Einsatz und außergewöhnlicher Verlässlichkeit. Sie hilft bei der Essensausgabe, organisiert und begleitet Kochangebote, arbeitet in der Kleiderkammer mit, verteilt Kleidung und Hygieneartikel und unterstützt Frauen, die häufig unter extrem prekären Bedingungen leben.
Besonders hervorzuheben ist ihr Angebot von Deutschkursen für Frauen, die auf dem Straßenstrich arbeiten. Damit schafft sie niedrigschwellige Zugänge zu Sprache, Orientierung, Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Teilhabe. Viele der Frauen erleben Isolation, Diskriminierung und sprachliche Barrieren. Frau Gareis begegnet ihnen mit Respekt, Geduld und Würde – auf Augenhöhe und ohne Vorurteile.
Darüber hinaus hat sie ein niedrigschwelliges Kulturangebot initiiert und ermöglicht gemeinsame Theaterbesuche für die Besucherinnen des Frauentreffs. Damit eröffnet sie Zugänge zu gesellschaftlicher Teilhabe, kultureller Bildung und sozialer Integration für Frauen, die solche Orte oft seit ihrer Kindheit nicht mehr betreten haben oder sich diese Besuche aus eigener Kraft nicht zutrauen würden. Integration bedeutet hier nicht nur Sprachvermittlung, sondern konkrete solidarische Unterstützung im Alltag. Frau Gareis ermöglicht Begegnung, Vertrauen und Teilhabe für Menschen, die gesellschaftlich häufig unsichtbar gemacht werden. Ihr Engagement stärkt Frauen in äußerst schwierigen Lebenslagen und trägt dazu bei, soziale Isolation zu durchbrechen. Mit der Nominierung möchten wir zugleich auf die prekäre Situation des Frauentreffs Olga aufmerksam machen: Der Treff hat eine Kündigung erhalten, der Mietvertrag läuft im Frühjahr 2026 aus. Damit droht der Verlust eines unverzichtbaren Schutz- und Aufenthaltsortes für besonders vulnerable Frauen im Kurfürstenkiez. Der Verlust dieser Räume hätte dramatische Folgen für viele Menschen, die auf das Olga angewiesen sind. Gerade in Zeiten wachsender Armut, Wohnungslosigkeit und zunehmender Gewalt gegen Frauen werden solche Orte dringender denn je benötigt.
Der Quartiersrat Schöneberg Nord unterstützt daher ausdrücklich den Erhalt des Frauen*treffs Olga und ruft Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit dazu auf, sich für langfristige Perspektiven und geeignete neue Räumlichkeiten einzusetzen.
Mit Frau Gareis wird eine Persönlichkeit vorgeschlagen, die diese wichtige Arbeit mit großem persönlichem Engagement, Menschlichkeit und Solidarität trägt und sichtbar macht. Ihr ehrenamtlicher Einsatz steht beispielhaft für gelebte Integration, soziale Verantwortung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Bezirk.
Nominierung durch den Quartiersrat Schöneberg-Nord für den Preis „Queere Vielfalt“
Transsexworks
Transsexworks ist ein Berliner Peer-to-Peer-Netzwerk sowie eine Beratungsstelle von und für trans, inter und nicht-binäre Sexarbeiterinnen. Die 2015 gegründete Initiative bietet einen sicheren Raum für Austausch auf Augenhöhe und leistet transspezifische Aufklärungs- und Beratungsarbeit. Die Initiative unterstützt Menschen im Umgang mit alltäglicher Trans- und Homofeindlichkeit sowie bei strukturellen Hürden wie Rassismus, Wohnungssuche, Polizeigewalt oder Problemen mit dem Jobcenter. Transsexworks setzt sich zudem aktiv politisch für die Rechte von Sexarbeiterinnen ein – beispielsweise durch die Forderung nach barrierefreien Schutzräumen und durch die kritische Begleitung von Gesetzesentwürfen wie dem sogenannten „Nordischen Modell“. Abends verteilt die Initiative Hygieneartikel an Sexarbeiterinnen im Kurfürstenkiez.
Darüber hinaus engagiert sich Transsexworks für sicherere Bedingungen für Sexarbeiterinnen, insbesondere für trans* Sexarbeiterinnen, die rund um die Kurfürstenstraße immer wieder massiver und zunehmender Gewalt ausgesetzt sind. Dazu zählen verbale Übergriffe ebenso wie körperliche Angriffe, etwa das Übergießen mit Wasser durch Nachbarinnen vom Balkon oder das Bewerfen mit Eiern.
Ganz konkret war die Initiative zuletzt damit beschäftigt, Räumlichkeiten als sicheren Ort für Sexarbeiterinnen zu erhalten. Gemeinsam mit der Berliner Stadtmission plante Transsexworks im Jahr 2025 die Eröffnung einer Beratungsstelle und eines Nachtcafés im Schöneberger Norden. Das „Café Julia“ sollte ein Ort werden, an dem Sexarbeiterinnen, Drogenkonsumentinnen und wohnungslose Menschen zur Ruhe kommen und Unterstützung erhalten können.
Für das Objekt in der Frobenstraße 22 / Bülowstraße wurde ein detailliertes Nutzungskonzept vorgelegt, zudem waren Förderungen durch den Bezirk Tempelhof-Schöneberg und das Land Berlin zugesagt. Auch die Gewobag als Vermieterin hatte zunächst ihre Zustimmung gegeben. Am 21.01.2025 erhielt die Stadt jedoch die Absage der Gewobag. In dem Mietobjekt wird nun demnächst ein Friseur- und Massagesalon eröffnet. Das Nachtcafé wird jedoch weiterhin dringend benötigt.
Transsexworks fördert durch Diskussionsveranstaltungen den Austausch in der Nachbarschaft über die Gewalt, die Sexarbeiterinnen tagtäglich erleben müssen. Außerdem plant die Initiative ein Kinderbuch, das heranwachsenden Kindern im Kiez Sexarbeit auf respektvolle und verständliche Weise vermitteln soll.
Trans*sexworks leistet in vielerlei Hinsicht unglaublich wertvolle Arbeit, die diesen Preis wirklich verdient und weit über das hinausgeht, was ehrenamtlich getragen werden sollte.

